WEALTH AND ASSET MANAGEMENT THOUGHT LEADERSHIP

Der Markt tendiert durch Mifid 2 zum ganzheitlichen Risikomanagement

05 maggio 2017

Private Banking Magazin

Wie geht ein EU-weit operierender Spezialist für Risk- und Wealth-Management-Software mit den Anforderungen von Mifid 2 um. Michele Leoncelli, Partner Wealth and Asset Management Area von Prometeia, gibt Antworten.

Mifid 2 setzt Vermögensverwalter und Anlageberater unter Druck. Die neuen Regularien haben umfangreichen Einfluss auf Beratungs-, Abwicklungs- und Dokumentationsprozesse und müssen rechtzeitig implementiert werden. Wie gehen Sie als Beratungsunternehmen mit dieser Herausforderung um?

Michele Leoncelli: Wir verfügen über ein Competence Center, welches ausschließlich Mifid-2-Themen gewidmet ist und unsere Managementberatung und Softwareentwicklung aktiv unterstützt. Dabei setzen wir auf unseren individuellen WealthTech®-Ansatz, um Kunden bei der Umsetzung der relevanten Regulierungsfragen zu helfen. Das Herz dieses Ansatzes ist die integrierte Anwendung von Methodik, Technologie und Best-Practice-Prozessen, um die individuellen Ziele jedes Kunden zu unterstützen. Im Fall von Mifid 2 ist es unser Ziel, praktische, umsetzbare Lösungen zur Verfügung zu stellen, die die kommerzielle Seite des Unternehmens stärken und nicht einschränken. Es ist ein Ansatz, der in ganz Europa gut funktioniert.

Sie beraten Banken, aber auch unabhängige Vermögensverwalter und Finanzdienstleister. Vor welchen Problemen stehen Ihre Kunden bezüglich Mifid 2?

Leoncelli: Das zugrundeliegende Problem ist die Erhaltung der Rentabilität oder das Verständnis, wie die bestehenden Geschäftsmodelle unter den neuen Bedingungen erhalten bleiben können. Kostentransparenz und Anreizregeln beispielsweise haben das Potenzial, sehr störend zu wirken. Deshalb zielen unsere Lösungen darauf ab, dem Investor fortlaufend wertschöpfende Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die zeigen, dass es sich lohnt für den Service Geld auszugeben. Einige unserer Kunden erwägen auch ein unabhängiges, kostenpflichtiges Modell, das die Compliance vereinfachen und ihren Ruf stärken kann.

Welche konkreten Problemlösungen fragen unabhängige Vermögensverwalter bei Ihnen nach? Können Standard-IT-Lösungen alle Probleme lösen?

Leoncelli: Standardlösungen liefern Compliance, aber begrenzte Differenzierung. Kostentransparenz gepaart mit homogenen Serviceangeboten bedeutet, dass die Gebühren zu einem der wichtigsten Wettbewerbshebel werden, was zu einer Gebührenspirale nach unten führt. Wir denken, dass jeder Manager einzigartig ist und Vertrauen und Beziehungen mit Kunden auf unterschiedliche Weise aufbaut. Die Prozesse und Werkzeuge, die sie verwenden, sollten diese Differenzierung unterstützen anstatt sie zu beseitigen. Sie sollten helfen, ihren Wettbewerbsvorteil voll auszunutzen. Aus diesem Grund stellen wir ein Toolset für Softwarekomponenten und -methoden zur Verfügung, mit denen Prozesse und Plattformen geschaffen werden können, die zu den jeweiligen Geschäftsmodellen passen – von execution only bis hin zur mandatierten Vermögensverwaltung.

Wie wird sich Ihrer Ansicht nach das Wealth Management generell aufgrund der regulatorischen Eingriffe entwickeln?

Leoncelli: Wir denken, der Trend geht dazu, den Kunden mehr anspruchsvolle, laufende Dienstleistungen anzubieten, um „value for money“ zu demonstrieren, sowie ein erhöhter Automatisierungsgrad, um die operativen Kosten zu reduzieren. Die Vorteile der Services, die den Kunden zur Verfügung gestellt werden müssen, um Kosten zu rechtfertigen, werden bei der Betrachtung des Portfolios als Ganzes leichter demonstriert als beim Product-by-product-Ansatz.Der Diversifikationsvorteil ist ein klares Beispiel. Ganzheitliches Risikomanagement ermöglicht es sogar Kunden mit geringem Risikoappetit von der Performance riskanterer Produkte zu profitieren, während das Portfolio als Ganzes sicher bleibt. Und der Manager erhält den damit verbundenen Nutzen eines erhöhten Platzierungspotenzials von riskanteren Produkten. Wir denken, dass sich der Markt aus diesen Gründen im Laufe der Zeit in Richtung Portfolio-Ansatz bewegen wird.

Sie sind mit einer Plattformlösung „PFTPro“ für das Front Office bereits seit längerem auf dem Markt. Wer sind Ihre Kunden?

Leoncelli: Wir haben eine breite und vielfältige Kundenbasis, angefangen von den größten europäischen Institutionen bis hin zu kleineren, spezialisierten Anbietern. Diese Finanzinstitute nutzen unsere Lösungen für alle Kundensegmente von Retail bis HNWI.
Einiges von dem, was für Mifid 2 erforderlich ist, ist seit unserer Gründung ein Teil unserer Philosophie, einschließlich des Vermögensrisikomanagements und der fortgeschrittenen Anlegerschutzmodelle.

Inwieweit haben Sie aufgrund der Mifid II Anpassungen vorgenommen?

Leoncelli: Wir haben Plattform, Methoden und Workflows bereits von Anfang an den verschiedenen Realitäten angepasst, so dass „PFTPro Suite“ sehr modular und anpassbar ist. In anderen Fällen hat Mifid 2 dazu geführt, dass die Funktionalitäten, die zuvor in den kostenpflichtigen und fortgeschrittenen Servicemodellen enthalten waren, ein breiteres Publikum finden, zum Beispiel die Anpassung der Ziel-Portfolio-Zusammensetzung für Anleger und kundenspezifische Portfolio-Qualitätsindikatoren zur Quantifizierung von Vorteilen gegenüber Kosten. Auch MWRR-Analysen und Modelle, die auf spezifischen Kundenbedarf und Kundensegmentierungen für den Zielmarkt basieren, profitieren davon.

Einige Features wurden speziell entwickelt, um die Anforderungen von Mifid 2 zu erfüllen, wie zum Beispiel Kostenberechnungen und Reporting, sowie die damit verbundenen Eignungskontrollen von Kosten und Nutzen. Es ist für uns also weniger eine Frage der Anpassung an einen bestimmten Markt, sondern mehr der Anpassung und Parametrisierung für jedes einzelne Finanzinstitut, um sicherzustellen, dass die Software zu ihren jeweiligen Kunden, Erwartungen, Beratern, Anlagemethoden, etc. passt.

Welche Player werden Ihrer Ansicht nach am Ende die Gewinner der Regulierung nach Mifid 2 im Private Banking sein und ihre Marktanteile ausweiten können?

Leoncelli: Diejenigen, die erkennen, dass Sie ihren Kunden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten müssen und dass Investorenschutz und Transparenz wertvolle Assets sind, die genutzt werden sollten. Ein kostengünstiger Weg dazu führt nur über gute Prozesse, unterstützt durch die richtige Technologie.